Tango Argentino

Das Reizvolle am Tango Argentino ist zugleich das Schwere: Schritte, Drehungen, laszive Beinschwünge sind permanente Improvisation. Damit die gelingen kann, erinnern die Lehrer im Tango-Kurs immer wieder: „in der eigenen Achse bleiben“ und „mit dem Tanzpartner eine gemeinsame Achse bilden“. Ich lerne das Gehen, und fühle mich anfangs mit jedem Schritt meilenweit von der richtigen Haltung und auch nur der Andeutung eines Beinschlenkers entfernt. Allerdings gefällt mir sofort, dass ich – anders als die Herren – keine Schritte erlernen muss. Meine Aufgabe besteht nur darin, die Führung des Partners zu erspüren. Beim Tango Argentino ist die Welt nämlich auf altmodische Weise geregelt: Der Herr führt, die Dame folgt. Nach wenigen Tango-Stunden wage ich mich zum Tango-Abend, der sogenannten Milonga – und empfinde es wie den Wechsel aus einem geschützten Gehege auf die freie Wildbahn. Im Kurs üben schließlich alle an ihrer Haltung und basteln an Figuren. Bei der Milonga aber kostet es nicht nur etwas Überwindung, das wenige Gelernte zwischen einigen wie in einer Einheit über die Tanzfläche gleitenden Paaren auszuprobieren, sondern auch ein wenig Mut, den Tanz und die fortgesetzte Improvisation in wechselnden, fremden Armen zu wagen. Hier wird wie beim Tanzcafé aufgefordert. Wie im richtigen Leben klappt es nicht bei jedem Partner mit dem Einschwingen im Zweivierteltakt. Aber von Milonga zu Milonga macht es mehr Spaß, die unterschiedlichen Temperamente zu entdecken. Ich gleite aus den Armen des übers Parkett fegenden Mister Unerschrocken in die Arme des eher bedächtige Schritte machenden Señor Vorsichtig. Tango Argentino kann süchtig machen. Zum Glück gibt es in Frankfurt regelmäßig Milongas, bei denen Tango-Junkies ihre Sucht austanzen können.

Astrid Biesemeier, Journal Frankfurt 06|2010

Academia de Tango mit Julio Gordillo und Fabiana Jarma (hier und auf dem Titelfoto zu sehen): Sonnemannstraße 3, Tel. 811234.

Vielen Dank,

dass Sie sich Zeit für meine Arbeit genommen haben!